Netzwerkgrundlagen - Telnet


Naja ich schätze etwa 5 Befehle oder so brauchst du auf jedenfall noch als Basiswissen. Aber wenn du bis jetzt alle brav durchgemacht hast, bist du schon über die gröbsten Hürden hinweg. D.h. von hier an sollte es eigentlich ziemlich locker gehen... und mit relativ wenig Aufwand lässt sich jetzt viel Funktionalität lernen..

Telnet kennst ja schon so grob. Telnet ist auch nicht mehr ganz so wichtig heutzutage, weil es ja ssh gibt. Aber zum verstehen, wie das Internet so arbeitet ist Telnet doch extrem wichtiges Basiswissen.

telnet irgend.ein.computer.auf.dem.du.einloggen.darfst.at

bringt dich zu eben diesen Computer und du könntest dort einlogen. Sollte man aber im Normalfall heutzutage NICHT mehr, weil alle Zeichen im Klartext übers Netzwerk übertragen werden und das ist zu unsicher. Zum einloggen auf anderen Unix-Rechnern verwendet man heutzutage fast nur mehr ssh.

Jedes Zeichen, dass du local tippst wird sofort zum Compuer auf der Gegenseite (remote) geschickt; der wertet es aus und jedes Zeichen, das du am Bildschirm siehst, kommt direkt vom Telnet-Server. Es ist also fast, wie wenn du direkt an einer Console am Rechner sitzt.

Telnet verwendet so wie ping ebenfalls das IP-Protokoll. Die Daten werden aber noch weiter verpackt zu TCP-Paketen. TCP-Pakete haben zusätzlich zur Addresse, die im IP Paket steckt, noch eine sogenannte "port"-Addresse. Und zwar Absenderport und Zielport. Wenn du dir IP-Addressen als Hausnummern denkst, dann sind die Portnummern Türaddressen.

Jeder Computer hat 65536 solcher Türchen (Ports). Und hinter jeder Tür kann sich ein eigenes Service verstecken, das dieser Computer anbietet. Je nachdem, auf welches dieser Ports man sich verbindet, kann man dieses Service nutzen. Eine Auflistung der Standardservices findet man in der Datei:

/etc/services

Gibt man bei telnet keinen Port an, so verbindet sich telnet auf den Default Port. Das ist Port 23.

Port 25 ist "SMTP" das "Simple Mail Transfer Protocol". Dort werden Mails ausgetauscht.

Port 80 ist http. Dort können sich Webbrowser hinverbinden und nach Webseiten fragen, die auf diesem Rechner liegen.

Port 110 ist POP3 (Post Office Protokoll). Dort kann man Mailboxen abfragen.

.... etc..etc


Willst du eine Telnetverbindung unterbrechen, ohne auszuloGgen drückst du:

control-] (control eckige klammer zu) dann kommst einem Prompt:
telnet>

Dort kannst du "quit" eingeben, und telnet Beenden. Es gibt auch noch ein paar andere Befehle: siehe "help". Die Befehle gehen an den Client und nicht an den Server (den Computer am anderen Ende des telnets)

Statt des Hostnamens (Name des Computers auf der anderen Seite), kann man natürlich auch -wie bei ping- die IP-Addresse angeben.

telnet 131.130.221.38

bringt dich z.B. zum unet Studentenrechner der Uni Wien.


Wenn du z.b.:

telnet sl.mud.at 4711

machst, dann verbindest du dich mit Port 4711 am Computer sl.mud.at. Dort kommst du übrigens ins Silberland eines der beliebtesten österreichischen MUDs (multi user dungeons).

telnet dein.server.fuer.ausgehende.mails 25

Falls du nicht weißt, welcher Server für Mail von dir zuständig ist, dann kannst du das mit folgendem Befehl herausfinden:

nslookup -type=MX mond.at

sagt dir, welche mailserver mail fuer mond.at empfangen können)

Bist du direkt mit dem Server verbunden, der deine ausgehenden Mails empfängt. Normalerweise verbindet man sich da nicht selbst, sondern das macht dein Mailprogramm für dich. Aber spasseshalber können wir mal so tun als wären wir selbst ein Mailprogramm:

du tippst:

help

du tippst:
mail from: george.w.bush@whitehouse.gov
rcpt to: hier_deine@email.addresse.eingeben
data
testmail.

.   <- als Abschluss der mail einen punkt alleine am ende der zeile
eingeben.. quit

und schon solltest du eine Mail verschickt haben. Auf diese Art und Weise kannst du beliebige Mails "faken", also mit falschen Absenderaddressen generieren.. Leider schreiben die Mailprogramme auch rein, von welcher IP aus die mail gesendet wurde.. Es ist also für einen Profi dann leicht nachzuvollziehen, von woher diese falsche Mail gekommen ist..

Genauso kannst du auch deine Mail händisch abfragen:

telnet dein.server.fuer.pop.email.empfang pop-3

(anstatt pop-3 koenntest du auch 110 oder pop3 schreiben)

user hier_dein_username
pass xxxxxxx (dein passwort)

list

retr 3
(würde die mail nummer 3 empfangen)
retr 7 (würde die mail nummer 7 empfangen)
dele 7 (würde die mail nummer 7 loeschen falls du das wirklich willst!)

quit

Ist natürlich auch nicht dazu gedacht händisch verwendet zu werden. Aber falls mal irgendwas mit deiner mail nicht geht, kannst du hier nachschauen, ob mit dem Server alles in Ordnung ist. Oder falls du auf einer langsamen Modemverbindung sitzt und ein 100MB großes Attachement löschen willst, weil du sonst ewig brauchst bis du die Mails gedownloadet hast, ist es auch praktisch, wenn man diese Tricks kennt..


EXERCISES:

* Versuch dich mit dem Telnet Port von dir bekannten Computern zu verbinden. (Am besten dort aber NICHT wirklich einlogen..)

* Versuche ein telnet mit control-] und "quit" zu beenden.

* Versuche dich auf dem Port 25 (smtp) deines Mailservers einzulogen und
dich mal direkt mit dem zu unterhalten.

* Versuche dich mit einem pop3-Server zu verbindun und dort direkt mail abzuholen.

* Schau einen Sprung im Silberland oder einem anderen mud ( eine Liste gibts auf: http://www.mud.de/DML/ ). Aber natürlich nicht während der Arbeitszeit!! ;-)

REFERENCES:

man telnet

smtp: RFC 821

pop3: RFC 1725